Gedankenmassage

Gedanken laufen automatisch ab. Das stimmt nur zum Teil. Richtig ist, daß der Mensch im Laufe der Zeit Routinen des Denkens entwickelt. Wer schon bei den Eltern gelernt hat, daß das Glas halbleer ist, dem fällt es später als Erwachsener nicht so leicht zu erkennen, daß es auch halbvoll ist. Doch nicht leicht heißt nicht unmöglich. Man kann neu denken lernen. Und Gedanken, die noch wie Schläge ins eigene Selbstbewußtsein wirken, können zu einer wundervollen Massage werden. Einer Gedankenmassage.

Wem nach Entspannung zumute ist, schließt einfach die Augen und erinnert sich an einen Augenblick, als es ihm so richtig gut ging. Damals, als die Welt noch im Lot war, man reisen und seine Freunde treffen durfte, ohne daß ein Kontrolleur des Ordnungsamtes die Augenbrauen hob. Es ist noch gar nicht so lange her, da hatten die Menschen all das, wonach sie sich jetzt so sehnen. Doch das bedeutet nicht, daß sie damals glücklicher waren. Auch damals schon war das Glas für viele nicht einmal halbvoll. Diese Beobachtung birgt auch eine Hoffnung. Wenn es tatsächlich nicht darauf ankommt, was die Welt einem bietet, sondern auf die Art und Weise wie man die Dinge wahrnimmt, gibt es die Chance auch heute, hier und jetzt, zufrieden und glücklich zu sein. Der Blick zurück muß niemanden traurig stimmen. Morgen war gestern alles besser. Heute ist gestern und wer will kann die Aufmerksamkeit auf das lenken, was jetzt gerade angenehm ist. Er kann auf eine Sinnesreise gehen.

Natürlich kann man auch weiter in der Vergangenheit schwelgen und genießen. Bei dieser Sinnesreise spielt die Zeit keine Rolle. Wie bei einer wundervollen Massage, bei der die Zeit stehen zu bleiben scheint. So kann man sich an das erinnern, was man damals gesehen hat. Vielleicht war es ein Regenbogen, vielleicht das Lächeln der Liebsten, vielleicht ein Gemälde von Gaugin. Das geistige Auge kann noch einmal in diesem Moment eintauchen. Sein Begleiter ist vielleicht die Musik, oder das Geräusch des Meeres, dessen Wellen an den Strand gleiten. Wer sich auf den Moment einläßt und in sich hineinhört, wird verzaubert werden.

Bei einer Massage fühlt man die Hände eines anderen Menschen auf dem Körper. Bei dieser Gedankenmassage kann man fühlen, was man will. Einen Kuß, den Wind oder die Sonne. Und wenn so der Moment neu entsteht und man darin aufgeht, meldet sich eventuell auch ein Duft, der uns besonders bewegt hat. Wie hat die Wiese geduftet, welcher typische Geruch hat einen umgeben? An leckere Speisen erinnert man oft aufgrund ihres Geruchs zuerst. Selbstverständlich bleibt aber bei fantastischen Moment auch ein Geschmack zurück, den man nie vergißt.

Der Mensch ist in der Lage mit allen Sinnen zu denken und seine Gedanken können die Sinne wachküssen. Unsere Sinnlichkeit ist eng verknüpft mit unseren Emotionen. Wenn man sich wohl fühlt, verändert das auch die Stimmung. Entspannung fördert gute Gefühle, aber auch Erregung kann den Menschen natürlich Auftrieb geben und ein positive Gefühl des Lebendigseins hervorrufen. Bei dieser speziellen Form der Massage kehrt man zu guten Gefühlen zurück. Die dann meist auch mit guten Gedanken verbunden sind.

„Ich fühle mich wohl, es ist wunderbar, ich liebe es, wie schön, ach, das könnte ewig so gehen, mir geht es gut…“ Gedanken stimulieren Gefühle und umgekehrt. Die Erinnerung an sinnliche Momente verbindet sich automatisch mit guten Gedanken und Gefühlen.  Doch wie bei allen Automatismen kommt es am Anfang auf die Übung an.  Eine gute Massage will gelernt sein und es ist gar nicht so schwer. Wenn man erst einmal mit einem guten Gedanken anfängt, füllt sich das Glas unseres Bewußtseins recht schnell. Aus ganz leer, wird ganz voll. Erst in der Fantasie und dann im richtigen Leben.

Über Innere-Staerke

Dipl.-Psychologe und Spezialist für Stressmanagement und Soziale Kompetenz. Teamtrainer und Berater in Personalentwicklung und Personaldiagnostik. Gründer von Innere Stärke Trainings und Coachings und Personalentwicklung3000
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