Kein Krieg, keine Angst

Was tut man, wenn das, was bis vor kurzem noch undenkbar schien, plötzlich wahr wird? Die Menschen schauen fassungslos in die Ukraine, in der ein machtbesessener russischer Despot seine Armee auf ein so genanntes „Brudervolk“ hetzt. Zivilisten sterben. Karawanen von Flüchtenden setzen sich in den Westen in Bewegung. Man starrt gebannt auf die Monitore und verfolgt LIVE, was irreal erscheint und trotzdem ganz real geschieht.

Auch in der Coaching teilen die Menschen ihre Ängste und Sorgen über Putins Krieg. Das Sprechen kann in der Tat ein erster Schritt sein, um die schlimmsten Ängste zu mildern. Angst in der Beratung zu teilen ist gut, doch die Angst selbst darf nicht zum Ratgeber werden. Statt dessen ist es wichtig, rational zu überlegen, was zu tun ist, um den Konflikt zu lösen und – einen Schritt vorher – wie man seine Angst kontrolliert.

In der Welt gibt es Leid und Ungerechtigkeit. Das ist unbestreitbar. Wer ein Problem hat und verzweifelt (und oft erfolglos) versucht, es zu verdrängen, hat zwei Probleme. Neben den eigentlichen Problemen gilt es auch noch die eigenen Ängste und Sorgen in Zaun zu halten.

An dieser Stelle kann es nicht darum gehen kluge Pläne zu schmieden, um die russischen Truppen aus der Ukraine zu vertreiben. Diese Aufgabe liegt bei der internationalen Politik und dem tapferen ukrainischen Volk. Das Problem zweiter Ordnung, die Angst, soll nun konstruktiv bekämpft werden, damit man, realistisch besorgt, aber im Vollbesitzt aller seiner rationalen und motivationalen Kräfte, das tun kann, was langfristig den Frieden der Welt und den eigenen Seelenfrieden sichert. Hier ist nun also das Rüstzeug, um mit schädlicher Angst umzugehen und Herausforderungen langfristig zu bestehen: Der Anti-Kriegsangst-KIT gegen die Schockstarre.

  1. Richtig Informieren

Vernünftige Entscheidungen trifft man auf der Basis einer verläßlichen Informationsbasis. In Krisenzeiten neigen die Menschen dazu, süchtig nach „News“ zu werden. Unablässig läuft der Fernseher und die Pop-up-Nachrichten, verhindern, daß man seine Arbeit machen kann. So wahr es ist, daß ohne eine solide Information keine zielführende Handlung abgeleitet werden kann, so richtig ist es auch, daß die Informationsflut einen lähmen kann. Psychologen sprechen dann von der sogenannten „Lageorientierung“. Anstatt über Lösungen nachzudenken, sitzt man wie das Kaninchen vor der Schlange und starrt auf das Problem, das übermächtig zu werden droht.

Um voranzukommen ist es unbedingt notwendig, den Problemraum nach der Analyse zu verlassen. De Shazer, der Begründer der lösungsorientierten Kurzeittherapie, ging so weit zu sagen, daß die Lösung sich immer außerhalb des Problemraums befindet. Es ist also immens wichtig, sich beizeiten von dem Problem zu distanzieren und mit Abstand und Überblick über die richtigen lösungsorientierten Schritt nachzudenken. Ganz praktisch bedeutet das, man sollte rechtzeitig eine Informationsdiät einlegen. Dabei können Fragen helfen wie:

  1. Welchen Medien vertraue ich?
  2. Wann ist die beste Zeit, um sich auf den neuesten Stand zu bringen?
  3. Wie lange brauche ich tatsächlich für ein gründliches tägliches Up-Date?

Am Ende dieser Selbstbefragung steht vermutlich die Erkenntnis, daß es sinnvoll ist, nicht jeden Online-Artikel zu lesen und daß eine halbe Stunde pro Tag wirklich genügt, um am Puls der Zeit zu bleiben.

Damit das Loslassen an dieser Stelle gelingt, ist es wichtig, sich immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, was Ziel und Zweck der Informationsaufnahme ist. Es geht darum, sich und andere gut zu schützen und eine Lösung für eine große Herausforderung zu finden.

So betrachtet ist es auch nicht herzlos, wenn man sich von den Schlagzeilen abwendet. Es dient vielmehr dazu, im Gleichgewicht zu bleiben und den inneren und äußeren Kampf erfolgreich zu bestehen.

Eine regulierte Informationsaufnahme ist also der erste Teil des Anti-Angst-KITS.

  • Miteinander Reden

Damit verbinden läßt sich das Reden mit anderen. Medien liefern Informationen, wirklich greifbar werden sie aber erst, indem man darüber spricht. Die große Chance, die mit den Schwierigkeiten des Lebens verbunden ist, besteht darin, daß sie uns zwingen miteinander ins Gespräch zu kommen. Probleme bringen Menschen zueinander und nur im Miteinander lassen sich die großen Probleme dieser Welt lösen. Weil das unbestreitbar so ist, hilft es auch, mit anderen zu reden. Dann wird man schnell merken, daß man mit seinen Sorgen nicht allein ist. Man wird Tips bekommen, wie man damit umgehen kann und idealerweise wird sich eine Zuversicht aufbauen, daß man gemeinsam gestärkt aus dem Schlamassel hervorgeht. Reden sie miteinander. Hören sie einander zu. Machen sie sich Hoffnung. Die Sprache ist das, was den Menschen fundamental vom allen anderen Lebewesen unterscheidet. Sie ist die Grundlage unserer Zivilisation und unserer friedlichen Zukunft.

  • Handeln (Demonstrieren)

Reden ist Silber, Handeln ist Gold. Es geht nicht ohne Kommunikation, doch Veränderung braucht auch aktives Anpacken. In Zeiten wie diesen, in denen Panzer durch Straßen rollen und alle Gespräche der Vergangenheit nutzlos erschienen, fällt es nicht immer leicht, an die Bedeutung der eigenen Handlungen zu glauben. Aber selbst, wenn man machtlos wäre, würde es sich besser anfühlen, wenn man dem Unrecht nicht tatenlos zuschauen würde. Das beherzte Handeln verändert die Befindlichkeit und macht mutig. Aus dem Angstkreislauf wird so eine Mutspirale. Jeder kleine Handlung für die gute Sache stärkt den einzelnen und die Sache, für die er kämpft.

Was kann man aber konkret tun? Das was Millionen Menschen rund um den Globus in den letzten Tagen schon getan haben. Sie sind auf die Straße gegangen. Sie haben Gesicht gezeigt und Position bezogen. Natürlich stoppt das nicht unmittelbar einen Panzer in Kiew, doch in diesen Panzern und an den Schaltknüppeln der Macht sitzen Menschen. Sie nehmen wahr, daß es einen Aufschrei in der Welt gibt und sie machen sich Gedanken darüber, daß man auf die Straße geht. Eine halbe Million Menschen am 27.02.2022 in Berlin bewegt etwas. Jeder Einzelne, der sich der Bewegung anschließt, leistet einen Beitrag zum Umdenken. Hier finden sie eine Auflistung der Friedensdemonstrationen in Deutschland.

So können Demonstrationen tatsächlich politische Entscheidungen beeinflussen. So kam es zu den Veränderungen der Vergangenheit, die vielen Menschen Hoffnung gemacht haben. Selbst Revolutionen können friedlich stattfinden, wie man in Deutschland gesehen hat, wenn Menschen hartnäckig, aber friedlich für das aufstehen, an das sie glauben. Gehen sie auf die Straße, spenden sie für Hilfsorganisationen, schreiben sie ihren Bundestagsabgeordneten, tragen sie Fahnen der Ukraine, diskutieren sie miteinander. Das kann man tun, das hilft, erst gegen die Angst und später gegen den Krieg.

Wer noch einen Schritt weiter gehen und ganz praktisch helfen möchte, für den gibt es drei weitere Einsatzgebiete:

  1. Man kann Flüchtlingen eine Unterkunft bieten. Über die Seite Unterkunft Ukraine findet eine unbürokratische Vermittlung statt.
  2. Für die Menschen, die nach Deutschland kommen, kann an diverse Hilfsmittel, z.B. frische Hygieneartikel, zur Verfügung stellen. Hierfür gibt es Sammelpunkte. Eine Kontaktstelle mit weiteren Informationen ist beispielsweise Moabit Hilft.
  3. Natürlich hilft auch Geld. Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen leben auch von der Bereitschaft der Menschen, Geld zu spenden.
  • Selbstfürsorge

Bei aller Aktivität gilt es aber auch, gegen die Sorgen und für den Frieden immer wieder die Selbstfürsorge zu setzen. Auch in diesen Zeiten ist es erlaubt, etwas Gutes für sich zu tun. Was wäre auch der Nutzen davon, wenn man es nicht täte? Wem würde es helfen, wenn sie nicht mehr schlafen vor Sorgen? Würde es Putin beeindrucken, wenn sie ihren Appetit verlieren und abmagern?

Selbstfürsorge bedeutet, daß man darauf achtet, körperlich und mental im Gleichgewicht zu bleiben. Wehrhaftigkeit setzt äußere und innere Stärke voraus. Also sollte man weiter darauf achten, sich gesund zu ernähren, den Fernseher beizeiten ausschalten, Sport machen und an das Gute im Menschen glauben, indem man anderen kleine Wohltaten bereitet und solche auch von anderen annimmt. Nein, es ist nicht herzlos, das eigene Leben auch in Krisenzeiten zu genießen. Es bedeutet nicht, daß man die Menschen vergißt, die jetzt leiden. Es ist ein Zeichen dafür, daß man nicht aufgibt, sondern auf das achtet, wofür man kämpft. Ein glückliches Leben in Frieden und Wohlstand.

Die Menschen in der Ukraine kämpfen dafür. Wir hier in Sicherheit sollten uns dessen bewußt sein und selbstbewußt und in Gedanken an die, denen es jetzt gerade nicht gut geht, das tun, was möglich ist, um die Situation zu verändern. Informieren sie sich. Sprechen sie mit anderen darüber. Entwickeln sie Ideen für Hilfe und machen sie es. Und achten sie auf sich selbst, damit sie all das langfristig tun können. Denn eines ist sicher. Wenn der Widerstand kein Strohfeuer ist, wird er zum nachhaltigen Erfolg führen.

Die Angst ist ein versteckter Feind, der uns alle bedroht. Innere Stärke ist das, was uns alle äußeren Angreifer zurückschlagen und echten dauerhaften inneren und äußeren Frieden finden läßt.

Über Innere-Staerke

Dipl.-Psychologe und Spezialist für Stressmanagement und Soziale Kompetenz. Teamtrainer und Berater in Personalentwicklung und Personaldiagnostik. Gründer von Innere Stärke Trainings und Coachings und Personalentwicklung3000
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