Der Dankesbrief

Glückliche Menschen sind dankbare Menschen. Eine einfache Übung kann dazu beitragen, glücklicher zu werden. Sie trägt den Titel: Der Dankesbrief.

Wer sich besser fühlen will, nimmt einfach ein Blatt Papier und schreibt einen Brief an einen Menschen, um ihm und ihr seine Dankbarkeit mitzuteilen. Man kann für viele Dinge dankbar sein. Zum Beispiel kann man dankbar dafür sein, daß einen jemand in einer schwierigen Zeit begleitet hat. Es kommt nicht immer auf Taten an. Oft reicht es aus, daß jemand da war und zugehört hat.

Genausogut kann man dankbar dafür sein, etwas gelernt zu haben. Im Laufe des Lebens begegnet man vielen Lehrern, Trainer, Coachs. Manche von ihnen trifft man persönlich, andere vielleicht nur im Internet oder vermittelt über ein Buch. Trotzdem darf man diesen Menschen dankbar sein.

Nicht immer kennt man den Menschen, der einem etwas Gutes getan hat, persönlich. Womöglich handelte es sich nur eine flüchtige Begegnung und erst wenn man sich bewußt an eine schöne Situation erinnert, wird einem klar, daß es diese „Kleinigkeit“ war, die einem damals geholfen hat. Das aufmunternde Wort eines Zuschauers, das Lächeln einer Krankenschwester, der Tip eines Einheimischen, den man nach einer Weg gefragt hat.

Ich erinnere mich an einen Urlaub auf den Philippinen. Ich fuhr mit dem Taxi zum Flughafen in Cebu. Kurz nachdem ich ausgestiegen war, mich aber schon im Flughafengebäude befand, bemerkte ich, daß mein Handy weg war. In einer halben Stunde ging mein Flug. Ich geriet in Panik. Mein Handy enthielt nicht nur alle meine Kontakte und Nachrichten, es war auch mein Navigationslotse in dem fremden Land. Wenn ich es nicht fand, lag Ärger, Anstrengung und auch einige Kosten vor mir. Hypernervös rannte ich mit meinen Koffern zum Taxistand zurück, doch der Wagen, mit dem ich gekommen war, war schon wieder weitergefahren. Ich fragte die Wachleute um Rat und erzählte von meinem Verlust. Glücklicherweise hatte ich eine Visitenkarte des Fahrers für Ausflugstouren erhalten. Ich zeigte sie den Wachmann. Einer der Wachleute sprach in sein Funkgerät. Ich verstand weniger als Bahnhof. Mein Puls ging. Die Zeit rannte mir davon. Da wies mich der Wachmann an, ein Stück die Straßen hinunterzugehen, an der die ausladenden Taxis hielten. Schon nach wenigen Schritten sah ich. Meinen Taxifahrer. Er kam lachend auf mich zu und schwenkte mein Handy. Ich hatte keine Worte für meine Erleichterung und drückte natürlich an Ort und Stelle meine Dankbarkeit aus. Es ist eine Situation, an die ich immer wieder gerne denke. Sie hat meine Sympathie für die Menschen auf die Philippinen mitbegründet. Einen Dankesbrief habe ich dem netten Taxifahrer aber bis heute nicht geschrieben, obwohl ich seine Visitenkarte noch immer in meiner Geldbörse trage.

Es kann sein, daß der Mensch, dem man dankbar ist, nicht mehr zu erreichen ist. Vielleicht kannte man ihn nie persönlich, hat keine Kontaktdaten oder derjenige ist aus einem anderen Grund verschwunden. Den Brief kann man trotzdem schreiben. Denn es ist ein Brief, den man für sich schreibt. Er hilft dieses Gefühl der Dankbarkeit zu kultivieren. Er verhindert, daß man das Gute, das einem täglich widerfährt als normal abtut und nicht weiter wertschätzt. Der Brief verändert auch die Richtung der Aufmerksamkeit. Er hilft einem, sensibler zu werden für eine Welt, die einen täglich Wundervolles schenkt. In der Folge fällt es einem noch leichter, mehr von den Schönen Dingen wahrzunehmen, die einen umgeben. Die Stimmung hebt sich. Man entwickelt neue Hoffnung, ein anderes Merkmal glücklicher Menschen.

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