Tote Hunde tritt man nicht – Gruppentraining sozialer Kompetenz

Wer hat sich nicht schon einmal gefragt, warum andere scheinbar erfolgreicher sind als man selbst. Heutzutage mißt man den Erfolg auch gerne an so genannten „Likes“ oder der Anzahl an Freunden. Je mehr umso besser. Jeden Tag ein neuer. 365 Freunde oder doch gleich 365000? Wer viele Freunde und Follower hat – und seien es auch nur virtuelle – gilt als erfolgreich. Und manchmal taucht die Frage auf: Was schafft der oder die das nur? Die Antwort ist nicht immer offensichtlich. Selten sind es die netten, altruistischen Kollegen, die Achtung, Anerkennung und Ruhm einheimsen. Ganz im Gegenteil. Viele erfolgreiche Politiker, Schauspieler und Verbrecher sind gewiß keine besseren Menschen. Es gelingt ihnen aber in sozialen Kontakten etwas zu tun, was ihnen Anerkennung verschafft. Sie besitzen das Talent, auf andere zuzugehen. Und wer viele Kontakte hat, hat auch viele Freunde. Die Rechnung ist denkbar einfach und jeder Mensch, der sich einsam fühlt, kann daraus eine einfache Regel ableiten: Geh auf andere zu, sprich andere an, lerne neue Menschen kennen und – das ist entscheidend – scher dich nicht um Ablehnung, denn „Tote Hunde tritt man nicht“.

Beliebte Menschen kümmern sich wenig um ihr Fremdbild. Es ist ihnen letztendlich egal, was andere von ihnen denken. Sie halten Kritik und Ablehnung aus, weil sie genügend Menschen kennen, die sie so lieben wie sie sind. Viel Feind, viel Ehr, sagt man auch. Heute bedeuten viele Feinde auch viele Freunde, denn nur wer sich klar positioniert und damit aneckt wird auch eine Gefolgschaft finden. Die Feinde sind ein Teil des Deals, den man wegen der Freunde locker mit in Kauf nimmt.

Diese Frustrationstoleranz wirkt auf den Rest der Welt wie der so genannte „Arschloch-Faktor“. Beliebte Menschen tendieren dazu, arrogant zu wirken. Tatsächlich ruhen sie in sich selbst und schei…auf die Meinung der anderen. Was kümmert es, wenn XY meint, man sei blöd. Das ist ungefähr so wichtig, wie wenn in China ein Sack Reis umfällt. Es macht viel mehr Freude, an die Menschen zu denken, die einen mögen wie man ist.

Um die Frustrationstoleranz zu steigern, gibt es eigentlich nur einen Weg: Erfahrung. Man muß die Erfahrung machen, daß Ablehnung einen nicht umbringt. Wer Risiken eingeht und Niederlagen wegsteckt, wird gestärkt daraus hervorgehen. Was einen nicht umbringt, macht einen stärker. In Bezug auf die soziale Strahlkraft stimmt Nietzsches Spruch tatsächlich. Mit jeder Abfuhr, die von einem abprallt, wird man souveräner und stärker. Und genau das wirkt anziehend auf andere. Souveränität, Gelassenheit und eine positive Grundhaltung.

Leichter gesagt als getan, mag jetzt der eine oder andere denken. Das Gefühl des Genugseins und der Stärke wird in der frühen Kindheit angelegt. Wer die Erfahrung des Angenommenseins früh verinnerlicht ist, im Leben widerstandsfähiger. Er besitzt Resilienz. Doch auch wenn einem diese positive Urerfahrung versagt blieb, ist noch nicht aller Tage Abend. Die Stärke des Menschen ist seine Fähigkeit zur Selbstreflexion. Jeder Mensch kann sich selbst hinterfragen, sich selbst erkennen und etwas an sich ändern. Wer noch nicht viele gute Freunde hat, fängt am besten noch heute damit an, sich selbst ein guter Freund zu sein. Manche Menschen kritisieren sich hart und sind gegenüber anderen ausgesprochen nachsichtig. Warum sollte man diese Wohlwollen nur anderen zu Gute kommenlassen? Wenn man gerade eine Niederlage erlebt oder eine Abfuhr bekommen hat, muß man sich nicht noch zusätzlich herabsetzen und sich einreden, wie wertlos und schwach man doch ist. Stattdessen darf man sich selbst der beste Freund sein und sich so trösten und aufmuntern, wie man es bei einem lieben Menschen machen würde. „Komm schon, Kopf hoch. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Das lag nicht an dir. Du hast vieles richtig gemacht. Schau mal, beim nächsten Mal kann es schon ganz anders aussehen.“ So oder ähnlich kann man sich wieder aufrichten mit der Technik des guten Freundes.

Im Gruppentraining sozialer Kompetenz nach Hinsch und Pfingsten (GSK) sind die anderen Gruppenmitglieder angeleitet durch den Trainer solche „guten Freunde“ und Trainingspartner. Sie geben konstruktives Feedback und fördern die Stärken desjenigen, der gerade im Rollenspiel versucht hat, auf eine andere Person zuzugehen. Dank dieser ermutigenden Tips wird man immer sicherer und lernt schneller. Nicht selten ergeben sich in den Workshops auch nette Kontakte, aus denen sich dann tatsächlich eine Freundschaft entwickelt.

Nicht jedem gelingt es aber sich ein riesiges Netzwerk von Freunden und Followern aufzubauen. Der eine oder andere merkt im Laufe seiner Bestrebungen vielleicht sogar, daß ihn die vielen sozialen Kontakte gar nicht glücklich machen. Diese Erfahrung wird von der Wissenschaft nun auch bestätigt. Am glücklichsten sind die Menschen während der Jugend und im fortgeschrittenen Alter. Die meisten sozialen Bekanntschaften haben sie aber dazwischen. Tatsächlich korreliert die Menge der Kontakte mit einem Gefühl der Unzufriedenheit. Wirklich glücklich sind die Menschen, wenn sie wenige, aber echte Freunde haben. Anstatt 365 Freunde und mehr zu haben, konzentriert man sich besser auf die wenigen Guten, die einen Jahr um Jahr durch Höhen und Tiefen begleiten.

Hunde, lebendige, sind übrigens auch sehr gut für Freundschaften. Abgesehen davon, daß Hunde angeblich die besten Freunde des Menschen sind, fördern sie die Kontaktaufnahme zu anderen. Wer auf den Hund kommt, wird tatsächlich seltener vom Leben getreten. Er ist nachweislich glücklicher, gesünder und geselliger. Wer Katzen bevorzugt ist natürlich trotzdem im Gruppentraining sozialer Kompetenz mit Wau-Effekt willkommen.

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