Grog, der Coach

Als Billy Wilder einmal gefragt wurde, ob er selbst privat so witzig sei wie seine Filme, antwortete er mit dieser Geschichte.

Ein Mann kam eines Tages zum Psychiater und klagte: “Herr Doktor, ich weiß nicht was es ist, aber ich bin unsäglich traurig. Was soll ich nur tun?” Der Arzt überlegte und hatte schnell einen Rat: “Schauen Sie zum Fenster hinaus. Heute ist ein wunderschöner Tag. Die Sonne scheint. Der Himmel ist blau. Am besten sie machen einen kleinen Spaziergang entlang des Züricher Sees. Das wird ihre Stimmung verbessern.” Doch der traurige Mann war von dieser Idee nicht begeistert. “Das habe ich schon probiert. Hilft nicht.” Meinte er. Der Experte grübelte einen Moment und schon hatte er einen weiteren Einfall. “Gehen Sie in die Innenstadt. Schauen Sie sie die Schaufenster an. Kaufen Sie sich etwas Nettes. Und danach gehen Sie in ein schönes Restaurant und gönnen sich etwas.” Verkündete er stolz. Doch die erhoffte Wirkung blieb aus. Sein neuer Patient schüttelte nur traurig den Kopf. “Bringt nichts. Das habe ich auch schon versucht.” Der Psychiater wurde etwas nervös, aber schließlich hatte er den vermeintlich rettenden Einfall. Mit dem Brustton der Überzeugung meinte er: “Der berühmte Clown Grog ist in der Stadt. Er ist fantastisch. Heute Abend gibt er eine Vorstellung. Gehen sie dorthin und sie werden wieder lachen lernen. Garantiert.” Erwartungsfroh schaute er den traurigen Mann an. Der hob seinen Kopf und sein Gesicht wirkte noch trauriger als zuvor als er erwiderte: “Ich bin Grog”.

Menschen wählen sich ihre Lehrer, Trainer und Coachs gerne danach aus, ob diese auch “leben”, was sie predigen. Dahinter steht die Auffassung, dass man nur das gut vermitteln kann, was man am eigenen Leibe erfahren und idealerweise im eigenen Leben schon umgesetzt hat. Wie die Geschichte des Clowns Grog andeutet, muss das aber nicht in jedem Fall und zu jedem Zeitpunkt so sein. Im Gegenteil kann der vermeintliche Erfolg einer Person auch ein falsches Veränderungspotenzial vortäuschen. Man denke nur an berühmte Personen der aktuellen Zeitgeschichte. Wirtschaftlich extrem erfolgreich versprechen sie ihren Erfolg auch zum “kleinen Mann”, dem einfachen Wähler, zu bringen. Schließlich wissen Sie ja wie es geht…

Zunächst ist es fraglich, ob sie wirklich wissen wie es geht oder ob ihr Erfolg nicht dem Zufall und anschließenden Rationalisierungen a la Anstrengung, Planung, Selbstmotivation, Innovation und so weiter geschuldet ist. Darüber hinaus ist es fraglich, ob eine Erfolgsstrategie, sofern sie eindeutig identifiziert wurde, tatsächlich auf die Bedingungen anderer eins zu eins übertragen werden kann. Schließlich lässt sich auch die Bereitschaft hinterfragen, dies tatsächlich, möglicherweise gegen Widerstände, zu tun. Die Fähigkeit und die Motivation anderen dauerhaft zu helfen, lässt sich eben nicht unbedingt vom persönlichen Erfolg ableiten.

Wer also einen guten Coach oder Trainer für sich sucht, sollte eventuell weniger auf Äußerlichkeiten achten. Zertifikate, Wartelisten, exorbitante Honorare schaffen Illusionen. Hin und wieder wirken sie als selbsterfüllende Prophezeiungen, doch oft genug bleiben sie Schall und Rauch.

Billy Wilder war auch als Privatmann hin und wieder komisch, doch er hatte auch seine traurigen Momente. So wie jeder gute Coach auch die Niederlage, Blockaden und Unsicherheiten kennt. Gerade deshalb kann er ja andere Menschen verstehen und sie zum Erfolg führen.

Wenn Sie lachen möchten, empfehle ich Ihnen weder Wilder noch Grog. Hier hat jeder seinen eigenen Geschmack. Darauf zu achten – auch bei der Wahl des Coaches und Trainers – lautet die Empfehlung des Experten.

Außerdem ist es vielleicht hilfreich einmal zu einer Vorstellung zu gehen. “Easy Stressmanagement” oder auch “Gruppentraining sozialer Kompetenz” sind Seminare, die einen ersten Einblick in die Arbeitsweise eines Komödianten, Regisseurs und Coachs geben.

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