E-Coach

In der Psychologie gibt es viele Veränderungsansätze. Der personenzentrierte Ansatz nach Carl Rogers gehört zu den Prominentesten. Doch ist die rogerianische Vorgehensweise auch effizient?

Nach dem dort etablierten Persönlichkeitsmodell besitzt jeder Mensch eine ihm innewohnende Selbstverwirklichungstendenz. In jedem Menschen sind Stärken angelegt. Der Weg zu mehr Zufriedenheit – ja vielleicht sogar Glück – führt über die Nutzung dieser Stärkenanlage. Wenn man das macht, worin man richtig gut ist, hat man Erfolg und wird sich insgesamt besser fühlen. So oder ähnlich lautet die zugrunde liegende Philosophie.

Ich halte viel von diesem Ansatz. Tatsächlich glaube ich, dass Ruhe und die Möglichkeit, seine Gedanken und Gefühlen freien Lauf zu lassen, wichtige Impulsgeber für die Selbstfindung sein können. Genauso gilt, dass die Möglichkeit, etwas auszuprobieren und mit seinen Ideen gehört zu werden, entscheidend sind, um scheinbar unlösbare Probleme doch zu lösen. Am Anfang war Versuch, Irrtum und Intuition könnte man sagen. Kopf und Bauch schaffen gemeinsam die besten Ergebnisse.

Manchmal stehen sich beide allerdings auch im Weg. Der Bauch suggeriert einem Ängste vor dem, was einem erwartet, und der Kopf liefert Gründe, warum etwas nicht funktionieren kann. Anstatt einer E-ntwicklung finden sich chronifizierte Blockaden.

In solchen Situationen ist es tatsächlich wichtig einen Experten an seiner Seite zu wissen. In beruflichen Kontext spricht man von Coach. Privat kann man verschiedene Begriffe von Therapeut bis Freund dafür verwenden. Der Nutzen von all dem besteht in einem einfachen Trick: Perspektivenwechsel plus Erfahrung.

Wie heißt es so schön: Man sieht den Baum vor lauter Wald nicht (oder so ähnlich). Der stille Experte, der sich im entscheidenden Moment zu Wort meldet, kann Zusatzinformationen liefern. Er sieht das Problem möglichererweise aus einer anderen Perspektive. Und er weiß aus Erfahrung, an welchem Punkt des Lösungsprozesses sich der andere befindet und kann nun mit einer kleinen Anregung zu einer großen Zeitersparnis beitragen. Anstatt immer und immer wieder gegen die gleiche Wand zu laufen, deutet er vielleicht auf die Tür, die dem Blick des Coachees entgangen war.

Information und Anregung (Motivation) im rechten Maß  erzeugen Effizienz.

Während ein rein personenzentrierter Coach den Coachee bei der Lösungssuche “nur” begleitet, setzt der lösungsorientierte Coach Signalpunkte (“Schauen Sie sich das einmal an.”, “Haben Sie darüber schon einmal nachgedacht?”), die dem Klienten eine Richtung weisen. Beides hat Vor- und Nachteile. Wie bei jeder Medizin entscheidet die Dosis über den Erfolg.

Fazit: Manchmal ist es gut, einen stillen Experten mit seinem Fachwissen an seiner Seite zu haben und ab und zu kann es auch wichtig sein, wenn der Experte still ist, damit der Mensch in seinem eigenen Tempo, seinen persönlichen Weg selbst (!) findet.

Ein stiller Experte, weiß, wann, was gefragt ist.

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