Außer Kontrolle

Bei Untersuchungen zum Thema Stress zeigt sich ein interessantes Phänomen. Die Stressbelastung variiert mit dem Ausmaß der empfundenen Kontrollierbarkeit.

Ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, ihre Nachbarn machen Lärm. Nun gibt es zwei Möglichkeiten. Erstens: Sie können mit den Ruhestörern reden und wissen aus Erfahrung, dass sie daraufhin mit dem Krach aufhören werden. Sie können die Situation also kontrollieren. Anders im zweiten Fall: Die Nachbarn hören nicht auf Sie. Alles reden hilft nichts. Ob Sie mit dem Besenstiel gegen die Decke stoßen oder die Polizei rufen. Ihnen ist klar, der Lärm wird sich auf Dauer nicht beseitigen lassen. Hier hätten sie also keinen Einfluss, so viel Mühe Sie sich auch geben.

Der Lärm ist in beiden Fällen der gleiche, doch Menschen, die wissen, wie sie etwas gegen Stressbelastungen tun können, leiden im Gegensatz zu den Machtlosen nicht darunter. Damit wir uns richtig verstehen: In beiden Fällen ändert sich zunächst nichts an der Belastung, dem Lärm. Es reicht aus, zu wissen, dass man etwas verändern könnte, um die Stressbelastung zu senken. Macht – auch eingebildete – macht stressfrei, könnte man auch sagen.

Sobald es einem gelingt, wieder Kontrolle über eine Situation zu gewinnen, lindert das den Stress. Diese neue Kontrolle lässt sich im Rahmen von Stresspräventions-Kursen aufbauen. Dort lernt man Methoden des Konfliktmanagement oder des Zeitmanagements. Ein weiterer Baustein ist die Kontrolle der physiologischen Aktivierung. Entspannungsverfahren helfen, wieder Kontrolle über den eigenen Zustand zu gewinnen. Aufregung und Ängste, die sich in Verspannungen, flacher Atmung oder auch Herzrasen wiederspiegeln, können so abgebaut werden.

Manchmal liegt der Schlüssel zu weniger Stress auch in einer gezielten Weiterbildung. Wer sich mit Excel auskennt oder in Gesprächen auf Englisch nicht immer nach den passenden Wörtern suchen muss, spart Zeit und Energie. Er ist entspannter und weniger im Stress. Wie heißt es so schön: Wissen ist Macht. Folglich ist Wissen auch ein Schlüssel für mehr Ausgeglichenheit und weniger Stress.

Aber gibt es nicht auch Dinge, die man trotz Lernen und Üben und viel Wissen nicht kontrollieren kann?

Natürlich. An vielen Unfällen trägt man nicht die Schuld. Es gibt Umstände, die einen Arbeit und Privatleben erschweren und wo direkter Einfluss kaum oder nur sehr langfristig möglich ist. In diesen Situationen kommt es darauf an, sich von einer anderen häufigen Stressgeisel zu befreien, die viele Führungskräfte gut kennen: Den Wunsch, alles zu kontrollieren.

Erstens kann man nicht alles kontrollieren und zweitens ist es nicht gut, alles zu kontrollieren. Für den ersten Punkt kennen Sie wohl selbst genügend Beispiele. Der Vorteil eines Kontrollverlustes besteht darin, dass man wieder offen wird für neue Impulse. Nur wer loslässt, öffnet sich neuen inspirierenden Erfahrungen. Wer alles bestimmen will, schränkt sich selbst und andere ein. In der Ohnmacht liegt die Chance, Dinge zu erkennen und zu erleben, die außerhalb des eigenen Bewusstseinshorizontes liegen. Wie heißt es so schön: Umwege verbessern die Ortskenntnis. Sicher kennen Sie diese Erfahrung auch. Entgegen ihres Wunsches mussten sie einen Umweg einlegen und was geschah….? Sie entdeckten etwas, begegneten Menschen, fanden Orte, an die sie nie gegangen wären, wenn sie bewusst und zielstrebig entschieden hätten.

Vielleicht überlegen Sie jetzt gerade, ob ein Coaching oder ein Training Ihnen wirklich nützen kann, ob die investierte Zeit und das Geld sich wirklich lohnen. Lernen und Veränderung sind Umwege, weg vom Alltag, weg vom Gewohnten. Sie können Wege zu sich selbst, einem entspannteren Leben und neuen Zielen sein.

Die nächste Chance für mehr Kontrolle über das eigene Leben und der Chance auf unkontrollierbare Inspirationen finden Sie hier.

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